Wechsel von Ubuntu auf Arch Linux

„Alles neu macht der Mai“, dachte ich mir. So installierte ich mir nach 9 Jahren Ubuntu-Nutzung Mitte Mai Arch Linux.

Gründe für den Wechsel

Eigentlich war ich mit Ubuntu zufrieden. Auch die Unity-Oberfläche gefällt mir soweit ganz gut. Es sind allerdings immer so Kleinigkeiten, die mir an Ubuntu oder eher gesagt an Canonical (der Distributor von Ubuntu) missfallen. Promimentestes Beispiel ist die Entwicklung von Mir. Mir soll ein Nachfolger vom XServer sein, um die grafische Oberfläche darzustellt. Zuvor hatte sich der Distributor bereits an der Entwicklung von Wayland, ebenfalls ein Nachfolger vom XServer, beteiligt. Canonical mag Gründe dafür haben diesen Alleingang zu wählen, aber dennoch ist das ein anderer Weg als jener den der Rest der Linux-Gemeinde mit Wayland geht. Ein anderer Punkt, wo bereits nachgebessert wurde, ist die Implementierung der Amazon-Linse in die Dash. Weiterhin nervt mich an Canonical, dass oft etwas „awsome“ angekündigt wird, aber letztlich man ewig darauf wartet. Zum Beispiel betraf das Ubuntu for Android, welches mittlerweile auf Eis liegt oder aber auch den oben genannten Mir, dessen Einführung sich ebenfalls immer mehr verzögert. Ebenfalls wurde Ubuntu Touch angekündigt, welches nach Verzögerungen doch endlich mal erschienen ist.

Wir gesagt, es sind alles Kleinigkeiten, die über die Zeit aber schon etwas genervt haben. Daher wollte ich mal etwas neben Ubuntu ausprobieren. Für Einsteiger in den Linux-Bereich kann ich Ubuntu aber definitiv empfehlen. Ich hatte schon öfter von Arch Linux gehört und während eines Ingress-Stammtisches hatte ich mich mit jemanden darüber unterhalten, der sehr begeistert davon war. So entschloss ich mich es nun auch einmal zu versuchen.

Arch Linux

Arch Linux ist eher für für den erfahrenen Linux-Anwender geeignet. Eine gute Anleitung zur Installation ist im deutschen Arch-Wiki zu finden. Ab und zu musste ich nach der Installation etwas hand anlegen. Von Ubuntu war ich ja doch etwas verwöhnt. Im Großen und Ganzen läuft es aber ohne ärgernisse. Installiert habe ich Arch Linux auf einem Thinkpad X230i. Wie sich das System im Laufe der Zeit verhält, kann ich natürlich noch nicht sagen. Im folgenden sind ein paar Sachverhalte, die mir seit der Installation untergekommen sind. Dabei sind das nicht nur Arch Linux spezifische Probleme. Außerdem sind dort nacharbeiten nach der Systeminstallation aufgeführt.

Gnome Music, Ario und Rhythmbox

Als Oberfläche nutze ich unter Arch Linux die Gnome Shell, zur Zeit in Version 3.16. Da ich diese schon länger nicht mehr ausprobiert hatte, war ich auch neugierig, was sich dort alles so getan hat. Unter anderem wollte ich auch den Musikplayer „Gnome Music“ testen. Allerdings passierte beim starten zunächst nichts; es erschien auch keine Fehlermeldung. Beim starten über ein Terminal erhielt ich dann die Meldung „Speicherzugriffsfehler“. Nach einigem suchen fand ich dann im Antergos-Forum eine recht triviale Lösung. Man muss mindestens einmal den Videoplayer „Totem“ gestartet haben. Danach tritt das Problem nicht mehr auf.

So richtig warm bin ich mit dem Player allerdings nicht geworden. Er ist mir doch etwas zu schlicht gehalten. Bei der Suche nach Alternativen bin dann auf Ario gestoßen. Der sah auf den ersten Blick ansprechend aus. Ario ist dabei ein Client, der auf den „Music Player Daemon“ (MPD) zugreift. Dementsprechend muss dieser Dienst extra konfiguriert werden. Hier ein paar Links, die mir geholfen haben:

Die Bedienung von Ario fand ich dann etwas zu umständlich. So installierte ich doch Rhythmbox, den ich bereits Jahre unter Ubuntu genutzt hatte. Aber auch hier habe ich etwas neues ausprobiert. Standardmäßig lässt sich in Rhythmbox in der GUI ein Ordner angeben, in dem die Musik lieg. Dieser wird hinsichtlich neu hinzugefügter Musik beobachtet. Nun wollte ich aber mehrere Ordner beobachten lassen. Dazu muss die dconf geändert werden. Die Beschreibung diesbezüglich habe ich im Ubuntuusers Wiki im Eintrag über Rhythmbox gefunden.

netctl statt NetworkManager

Unter Ubuntu hatte ich keine Probleme mit dem NetworkManager, weshalb ich guter Dinge war das folgende Problem doch noch lösen zu können.

Ich habe über das Netzwerk meinen externen Speicher eingebunden. Immer beim herunterfahren bzw. neustarten des Rechners dauerte es einige Minuten bis der Vorgang abgeschlossen war. Das Problem trat nicht auf, wenn ich vorher manuell die Laufwerke entfernte. Soweit ich gelesen habe könnte es daran liegen, dass beim herunterfahren zunächst die Netzwerkverbindung deaktiviert wird, bevor das Aushängen ausgeführt wird. Vermutlich muss ich mich nochmal genauer mit dem automatischen ausführen von Skripten, bzw. mit systemd beschäftigen.

Eine Lösung ist allerdings der wechsel vom NetworkManager auf netctl. Letzterer ist zwar nicht so gut in die Gnome Shell integriert, aber es funktioniert nun mit dem herunterfahren. Zu netctl gibt es auch im englischsprachigen und deutschsprachigen Arch Linux-Wiki jeweils einen Beitrag.

Gnome Extensions

Für die Oberfläche Gnome Shell gibt es Extensions, womit das System angepasst werden kann. Ich habe zur Zeit vier aktiv, wobei eines schon mitgeliefert wurde.

Für die Verwendung von netctl (siehe vorheriges Problem) gibt es ein Extension, das Netctl Applet, was wiederum ein Fork von Netctl Menu zu sein scheint. Leider funktionieren beide nicht in Gnome Shell 3.16. Vielleicht kommt dazu später auch noch ein Blog-Beitrag, wenn ich dort ein wenig mehr herumgefrikelt habe.

Eine weitere Erweiterung ist das Mediaplayer Extension. Mit diesem ist es möglich über die obere Leiste die Mediaplayer zu steuern die MPRIS2 nutzen, so auch Rhythmbox.

Das dritte Plugin ist das Multi-Monitor-AddOn. Mit dem kann die obere Leiste auch auf dem zweiten Monitor eingeblendet werden. Zu beachten ist allerdings, dass ein wechseln des virtuellen Desktops auf beiden Monitoren durchgeführt wird. Ein Verhalten, was ich sogar begrüße.

Schließlich habe ich noch das mitgelieferte User Theme Extension aktiviert. Damit lässt sich die Gnome Shell mit benutzerdefinierten Themen anpassen.

User Theme für die Gnome Shell

Als Thema für die Gnome Shell nutzte ich zunächst subCYAN. Mittlerweile habe ich einige Änderungen daran vorgenommen, aber als Ausgangspunkt finde ich dieses Thema sehr schön. Für die Symbole bzw. Icons verwende ich das Hayiyo-Papyrus-Set.

Gnome Shell 3.16

Meine Desktop-Oberfläche

 

HTML5 Videos in HD (auf YouTube)

Nachdem ich mir ein paar Tutorial-Videos mit Firefox auf YouTube angeschaut hatte, ist mir aufgefallen, das keines davon in HD vorlag. Dies ist durchaus möglich, aber ich fand es in der heutigen Zeit doch für etwas merkwürdig, dass alle ohne HD liefen. Also habe ich ein paar davon auf einem anderen Rechner angesehen und stellte fest, dass für einen Teil der Videos eine höher Qualität gewählt werden konnte.

Hier war die Lösung auch wieder einfach. Es genügt die Installation des Pakets „gst-libav“ über den Paketmanager.

sudo pacman -S gst-libav

Schon kam ich wieder in den Genuss von HD-Videos.

Nemo statt Nautilus

In der Gnome Shell ist standardmäßig „Nautilus“ bzw. nach der Umbenennung „Dateien“ als Dateiexplorer enthalten. Dort sind mittlerweile auf grund des Vereinfachungswahns viele Funktionen entfernt worden. So habe ich zum Beispiel früher immer gerne die Zwei-Spalten-Ansicht genutzt. Mit dem Entfernen dieser Funktion habe ich also immer zwei Fenster geöffnet und nebeneinander platzieren.

Weshalb ich nun aber tatsächlich eine alternative gesucht habe liegt an der Darstellung der Symbole in Nautilus. Es gibt nur noch drei einstellbare Symbolgrößen. Selbst die kleinste fand ich immer noch viel zu groß für meinen Geschmack. Einen Überblick über die enthaltenen Dateien konnte ich damit nicht mehr so schnell erhalten. In einem Google+-Beitrag hat jemand die Größen der Vorversion und der aktuellen Version gegenübergestellt. In der aktuellen Version bedeutet die kleinste Einstellung ein größeres Symbol als zuvor in der Standardeinstellung.

Als alternative habe ich Nemo installiert. Dies ist ein Fork von Nautilus 3.4. Der Fork wird ständig weiterentwickelt und bleibt nicht bei der alten Version hängen.

Für Nemo gibt es auch einige Plugins. Zwei dieser habe ich allerdings wieder deinstalliert, da ich damit Probleme hatte. Zum einen war es das „Media Columns“-Plugin. Bin ich in einen Ordner gewechselt, in dem ein Bild im JPEG-Format vorlag, welches mit Adobe Photoshop erstellt wurde, dann führte dies zum Absturz von Nemo. Das zweite Plugin ist das „Nemo Seahorse“-Plugin. Dieses benötigt das „Nautilus Seahorse“-Plugin als Abhängigkeit. Allerdings kommt es dann zu Konflikten in den  GConf-Einstellungen.

Fehlende *.desktop-Datei für Gnome Maps

Mit Gnome Maps wird ein Kartendienst ausgeliefert, der die Daten von OpenStreetMaps nutzt. Allerdings war bei meiner Gnome Shell 3.16 keine *.desktop-Datei mit dabei. Diese habe ich dann manuell erstell. Der Aufbau und Ort solcher Dateien kann von der Gnome-Website entnommen werden.

Befehle für den Paketmanager pacman

Zu guter letzt hier noch ein paar Tipps zur Benutzung des Paketmanagers „pacman“. Im deutschsprachigen Arch Linux-Wiki findet sich eine Übersicht der gängisten Aufgaben: https://wiki.archlinux.de/title/Pacman#Anwendung

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9 Responses to Wechsel von Ubuntu auf Arch Linux

  1. Thomas says:

    Danke für den Tipp mit dem HTML5 Video auf YouTube! Werde das nachher gleich mal ausprobieren.

    Arch nutze ich seit bald 2 Jahren und bin immer noch Fan! 🙂

  2. xanvader says:

    Zu deinem Netzwerk/umount, guckst du: systemd fails to unmount CIFS network share on shutdown/reboot, vllt. hilft’s weiter. Ich mag dieses „von grund auf kennen lernen“, das fasziniert mich so an Arch.

  3. Thoys says:

    Hei,

    ich habe das X230 und habe immer wieder Probleme mit der Grafik, sobald ich nicht Ubuntu nutze (wenn ich z. b. youtube scralle, dann flimmern die Bilder). Wie gut läuft Arch bei dir? Flimmert langer Text beim Scrallen?

    Grüße

    • libreman says:

      Dieses flimmern habe ich unter Arch nicht, hatte es aber auch nicht unter Ubuntu (12.04, 12.10, 14.04). Hast du mal im Forum von ubuntuusers.de nach einer Lösung gesucht oder eine Anfrage gestellt?

      • Thoys says:

        Hi,

        oh das war ein Missverständnis. Unter Ubuntu hatte ich es auch nicht. Nur unter jedem anderen Betriebssystem (Fedora, Debian, chacraos).

        Aber schön, wenn es unter arch nicht ist. Danke dir

  4. Christoph says:

    Noch ein Tipp bzgl. deines Mount-Problems und Network Manager: autofs… https://wiki.archlinux.org/index.php/Autofs Grüße, Christoph

    • libreman says:

      Danke! Ich habe es aber schon mit Autofs probiert. Das Verhalten war immer gleich. Mittlerweile nutze ich auch wieder den NetworkManager. Die Laufwerke sind auch mit der Autofs-Option in der fstab eingetragen.

      Ich hab jetzt einfach ein Skript, welches die Laufwerke aushängt und dann den Rechner herunter fährt.

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